Neue Haltungsform für Honigbienen

Der „Schiffer Tree“ – eine neue Art der Honig-Bienenhaltung

Wer überlegt, dass er/sie sich ein Bienenvolk in den eigenen Garten holen und dabei den Bienen ein artgerechtes Habitat bieten möchte, für den gibt es mittlerweile den „Schiffer Tree“. Der Entwickler dieser neuen Haltungsform, der Biologe Torben Schiffer, befasst sich schon seit langem mit wild lebenden Bienenvölkern, die sich meistens noch in Wäldern finden lassen. In seinem Buch „Evolution der Bienenhaltung(1) zeigt er wissenschaftlich fundiert auf, wie die Honigbienen in der Natur leben und vor allem überleben – ganz ohne menschliche Eingriffe. Manche Probleme, die in der modernen Imkerei auftreten, sind in dem natürlichen Lebensraum der wilden Bienenvölker – meistens ein hohler Baumstamm – gar nicht vorhanden oder stellen kein so bedeutendes Problem dar. Die Honigbienen gibt es schon seit mehreren Millionen Jahren, den Menschen dagegen erst seit wenigen hunderttausend Jahren. Die Bienen brauchen uns Menschen nicht, aber wir brauchen die Bienen. Hauptsächlich, um auch möglichst viel Honig zu ernten, was sich schon im Namen der Behausung der Bienen wiederspiegelt: die Beute (Anm.: das ist in der Imkerei der Name für einen Bienenstock). Wir möchten viel Honig (Beute) machen, und darum greifen wir in das Bienenvolk ein: wir vergrößern immer den Brutraum, dass möglichst viele Bienen schlüpfen und ausfliegen können, setzen große Honigräume auf und verhindern das Schwärmen (die eigentliche Vermehrung der Bienenvölker), weil sonst nicht so viel Honig eingetragen wird. Aber auch in die Evolution der Bienen greifen wir ein, denn wir bringen die Königinnen um, wenn die Bienen eher aggressiv sind und stechen. Wir wollen sanftmütige und fleißige Bienen (Anm.: gibt es eigentlich faule Bienen?). Wir bieten den Bienen eine Unterkunft, die sie in der Natur nicht beziehen würden: eckige „Häuser“ mit Rahmen, in denen schon die Struktur der Waben eingearbeitet ist, so wie es der Imker haben möchte.

Was ist nun anders am Schiffer Tree? Zuallererst ist es die Form: er ist rund, weil er einen hohlen Baum darstellen soll. Innen ist er ebenfalls rund ausgehöhlt und nicht eckig, die Bienen können ihre Waben so hineinbauen, wie sie es selber wollen und brauchen – über die Waben wird nämlich auch miteinander kommuniziert, was bei dem Rahmenbau der modernen Imkerei eher nicht möglich ist. Aber auch im Hinblick auf das Überwintern ist die runde Form bedeutend: die Bienen versammeln sich immer zu einer Traube, um sich gegenseitig zu wärmen. Eine Traube ist rund. Im Schiffer Tree entsteht so kein zusätzlicher Hohlraum, der von den Bienen „beheizt“ werden muss. Die Bienen verbrauchen daher auch im Winter viel weniger Futter als in eckigen Beuten. Die Wände des Schiffer Tree’s sind 6,5 cm dick, so dass auch eine bessere Isolierung erreicht wird. Normale Beuten haben nur Wände mit ca. 2,5 bis 2,8 cm Stärke. Torben Schiffer hat in den natürlichen Lebensräumen festgestellt, dass dort auch mehrere andere Insekten in Symbiose mit den Bienen leben. Ein bedeutender Mitbewohner ist dabei der Bücherskorpion. Dieser frisst nämlich bis zu 9 Varroa-Milben am Tag – das größte Problem in der modernen Imkerei. Durch den Bücherskorpion aber auch durch das Schwärmen der alten Königin wird die Zahl der Milben im Bienenstock gering gehalten, denn die Milben legen ihre Eier in die Brutzellen der Bienen hinein. Ist die alte Königin ausgeflogen, schlüpft erst nach einigen Tagen die neue Königin und diese muss erst noch begattet werden, damit sie wieder Eier legen kann. So gibt es eine brutlose Zeit von ca. drei Wochen, in der sich die Milbe nicht vermehren kann. Ein Einsatz von chemischen Mitteln, wie z.B. das Behandeln mit Ameisen- oder Oxalsäure ist nicht notwendig. Diese Behandlung ist für die Bienen auch nicht ungefährlich und sehr schmerzhaft, manche beißen sich dabei die Fühler ab. Der ein oder andere Imker wird schon selbst einmal gespürt haben, wie die Dämpfe der Säuren beim Einatmen stechen – und in diesen Dämpfen sollen die Bienen mehrere Tage leben!?

Den Schiffer Tree gibt es ohne oder mit einem kleinen Honigraum, aus dem man bis zu 5 kg Honig gewinnen könnte. Der Honig wird aber nicht im Sommer geerntet, sondern im Frühjahr wenn die Bienen viel eintragen können. Damit entfällt auch das spätere Einfüttern mit Zuckerwasser oder Glukose, die Bienen haben im Winter ihren natürlichen Honig mit den ganzen „gesunden“ Bestandteilen, was auch für ihr Verdauungssystem und die Gesundheit im Stock wichtig ist. Der Schiffer Tree ist für jede Interessierte / jeden Interessierten geeignet, der sich die Bienen in den Garten holen möchte, sich aber dann nicht groß um sie kümmern muss. Viele stellen oder hängen Insektenhotels für einzelne Wildbienen auf – der Schiffer Tree ist vom Prinzip das gleiche, nur eben für ein Bienenvolk. Wer an dem Schiffer Tree oder dem Buch von Torben Schiffer „Evolution der Bienenhaltung“ interessiert ist, kann sich gerne beim Autor dieses Artikels über die Adresse info(at)gruene-hengersberg.de melden.

Übrigens, mit dem Kauf eines Schiffer Tree’s tut man noch was gutes, denn der Schiffer Tree wird u.a. in der Caritas Werkstatt in Pocking gefertigt. Das ist eine Werkstatt für Menschen mit einer Behinderung, die so in das Arbeitsleben integriert bzw. eingegliedert werden.

Autor des Artikels: Matthias Lex

(1) Torben Schiffer, „Evolution der Bienenhaltung“ , 2020, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart. ISBN: 978-3-8186-0924-5; www.beenature.project.com

Das Bild zeigt einen Schiffer Tree mit Honigraum (Foto: Matthias Lex)

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